Am 14. Februar 2010 reiste die österreichische Delegation unter der Leitung vom Sportdirektor des BMI, Obstlt Jörg HIRSCHEGGER, über Frankfurt nach Kuwait. Wir trafen kurz nach Mitternacht in Kuwait City ein und wurden sogleich von einem Verbindungsoffizier in die VIP-Lounge gebracht, wo die ersten Interviews und Filmaufnahmen gemacht wurden.

An dem Turnier nahmen 38 Nationen teil mit durchaus hochkarätiger Besetzung, waren doch unter den Teilnehmern Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordhalter. Die Shooting Range mit sämtlichen Wettkampfstätten, Speisesaal, Moschee, Klinik, befand sich eine halbe Autostunde entfernt am südlichen Stadtrand von Kuwait City.

Der Klimawechsel mit Temperaturen über 30 Grad und die in allen Räumen auf Hochtouren arbeitenden Klimaanlagen, bescherte den Athleten nicht nur kreislaufmäßige sondern auch unerwartete Probleme mit den Sportwaffen. Die Probleme konnten zum Teil bei den offiziellen und Pre-Event-Trainingseinheiten bewältigt werden. Nach den Trainingsergebnissen in Österreich hatten einige unserer Leistungssportler durchaus mit Finalplätzen und Medaillien spekuliert. Da aber auch die Gegner eine solide Vorbereitung hatten, war es nicht so einfach, sich in dem Spitzenfeld zu behaupten.

Ergebnisse:

Luftgewehr:


1. Moldoveanu (Rumänien) 593 Ringe + Finale 99,8 = 692,8

8. Gufler (Österreich/LPK Tirol) 580 Ringe + Finale 99,1 = 679,1


Luftpistole:

1. Yunusmethov (Kasachstan) 581 Ringe + Finale 102,5 = 683,5

15. Kröll (Österreich/LPK Salzburg) 561 Ringe

16. Keutschegger (Österr/LPK Kärnten) 560 Ringe


Schnellfeuerpistole:

1. Reitz (Deutschland) 585 Ringe

6. Liegl (Österreich/LPK Tirol) 547 Ringe

11. Karner (Österreich/LPK Wien) 529 Ringe


Liegend Match (Gewehr):

1. Yermakov (Ukraine) 594 Ringe + Finale 102,9 = 696,9 Ringe

11. Fink (Österreich/LPK Kärnten) 585 Ringe

21. Wedenig (Österreich/LPK Kärnten) 578 Ringe


Pistole 50 Meter:

1. Kudria (Ukraine) 569 Ringe

6. Kröll (Ö/LPK Salzburg) 538 Ringe

10. Keutschegger (Ö/ LPK Kärnten) 535 Ringe


Dreistellungs-Match (Gewehr):


1. Sukhorukov (Ukraine) 1156 Ringe + Finale 97,4 = 1253,4 Ringe

5. Fink (Ö/LPK Kärnten) 1137 Ringe + Finale 95,6 = 1232,6 Ringe

7. Gufler (Ö/ LPK Tirol) 1136 Ringe + Finale 92,8 = 1228,8 Ringe


Mit 5 Finalteilnehmern in 4 Wettbewerben hatte sich die österreichischen Equipe durchaus beachtlich geschlagen.

Das mediale Interesse war enorm. Jeder Wettkampf und jedes Finale wurden vom staatlichen Fernsehen aufgezeichnet und übertragen. Die Sieger wurden nach den Glückwünschen durch den Kronprinzen, zu den Interviews gebeten. An jedem Tag wurde eine Zeitschrift mit den Ergebnissen des Vortages aufgelegt.

Neben den sportlichen Wettkämpfen bot sich aber auch die Gelegenheit mit den Athleten und der einheimischen Bevölkerung in Kontakt zu treten. Die verschiedenen Kulturen haben einen tiefen Eindruck bei den Athleten hinterlassen. Besonders die Gastfreundschaft der kuwaitischen Nation und das Interesse des Kronprinzen Nawaf Al-Ahmed Al-Jaber Al-Sabah gilt es hervorzuheben. Der Kronprinz war bei jedem Finale anwesend und nahm auch die Siegerehrung persönlich vor. Die Veranstalter waren bemüht, den Athleten jeden Wunsch zu erfüllen und bei den Rahmenprogrammen ergab sich auch die Möglichkeit für uns Europäer den Orient kennen zu lernen. Das pulsierende Leben in der Metropole war beeindruckend. So besuchten wir das Scientific Research Center mit einem angeschlossenen Freilichtmuseum, wo es Dhaus auf dem Trockendock zu bestaunen gab. Der Souk in der Nähe des Scientific Research Centers hatte mehr das Gepräge eines westlichen Einkaufscenters. Deshalb habe ich am nächsten Tag einen Trip zum alten Souk im Stadtzentrum organisiert, wo wir uns mit dem originalen Outfit der Kuwaitis (Disdasha, Gahfia und Ketra) ausstatteten.

Der Verkehr ist für Europäer und für Polizisten im Besonderen das organisierte Chaos. Die Straßen sind zum Großteil mindestens dreispurig. Geschwindigkeitsbeschränkungen werden anscheinend als bloße Empfehlung betrachtet. Der Sicherheitsabstand beginnt knapp vor der Stoßstange des Vordermannes. So wundert es nicht, dass es in jeder kuwaitischen Familie mindestens 2 Verkehrstote gibt. Kleinwägen werden eigentlich nur von den ausländischen Arbeitnehmern gefahren. Zu Fuß geht eigentlich keiner (außer die ausländischen Touristen).

Die orientalischen Speisen wurden selbst verständlich auch gekostet, wobei wir uns eigentlich nur bei den Salaten zurückhielten. Dafür genossen wir die hervorragenden Süßspeisen umso mehr. Am Schießplatz erfolgte die Verpflegung in einem eigenen Speisesaal. Zwischen Speisesaal und Moschee war auch ein Beduinenzelt aufgebaut, wo köstlicher Tee und Kaffee kredenzt wurde. Es bot die Möglichkeit neben dem Verkosten von einheimischen Spezialitäten auch mit Sportlern und Betreuern Kontakte zu knüpfen.

Wir hatten uns eigentlich nicht einen europäisch anmutenden Perfektionismus erwartet. Die Verpflegung und die Unterbringung waren perfekt. Der Veranstalter erfüllte jedoch die Richtlinien und Vorgaben der ISSF in allen Belangen. Der Veranstalter der nächsten Weltmeisterschaft wird es sicher schwer haben, diesen gelungenen Wettkampf zu toppen.



SCHATOR Wolfgang

Staatl geprüfter Trainer - Gewehr